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Termine und Abstracts

Termine

28.1.

Vokü + Spieleabend

25.2.

Film “Schmutzige Schokolade” + VoKü

25.3.

Poststrukturalismus und Tierbefreiung von Sven Wirth

30.4.

Vegane Eltern (Achtung: findet an einem Samstag statt. Ab 16 Uhr Kuchen-Vokü, ab 17 Uhr Workshop)

27.5.

Zum Stand der historischen Human-Animal Studies: Kritik, Praxis und Ziele von Dr. Mieke Roscher

24.6.

Film XXY

29.7.
Vortrag: „Hilfe und Gewalt geben ein Ganzes / Und das Ganze muß verändert werden.“ Über Tierrettungen in einer speziesistischen Gesellschaft: Vorstellung des Antitierbenutzungshofs von Günther Rogausch

26.8.
30.9.

Workshop: “Fleisch und Sex! – Zum Verhältnis von Feminismus und Antispeziesismus”

28.10.

25.11.
Vortrag: “Die Mensch-Tier-Beziehung in der Kritischen Theorie Theodor W. Adornos und Max Horkheimers” von Marcel Sebastian (Group for Society and Animals Studies, Hamburg)

30.12.

Abstracts

25.2. – Film “Schmutzige Schokolade”
Die Initiative „Veganer Fortschritt“ beschäftigt sich zwar in erster Linie mit dem Herrschaftsverhältnis zwischen Mensch und nichtmenschlichen Tieren, ist sich aber auch bewusst, dass Veganismus allein eine verkürzte Herrschaftskritik darstellt. Aus diesem Grunde haben wir uns entschieden eine Veranstaltung zum Thema Arbeitsbedingungen in der Kakaowirtschaft zu organisieren.
Der größte Teil des Kakaos, der in für uns käuflichen Produkten verarbeitet wird, stammt von Plantagen der Elfenbeinküste. Dort arbeiten nach Schätzungen von Unicef über 200.000 Kindersklaven auf Kakaoplantagen.

Eine kritische Diskussion des Themas und der Dokumentation (evtl. mit Expertenbeteiligung) wird im Anschluss an den Film „Schmutzige Schokolade“ von Miki Mistrati und Roberto Romano stattfinden.

25.3. – Poststrukturalismus und Tierbefreiung von Sven Wirth
Poststrukturalismus und Tierbefreiung

In meinem Vortrag geht es um die Ansätze des Poststrukturalismus und um
die Frage, wie poststrukturalistische Theorien für die Analyse und
Kritik von Gesellschaftlichen Mensch-Tier-Verhältnissen fruchtbar
gemacht werden können.

Im Zentrum poststrukturalistischer Theorieansätze stehen Fragen nach
Macht-Verhältnissen und nach der Konstruktion gesellschaftlicher
Realitäten. Diese werden nicht als gegeben angesehen, sondern als (u.a.
diskursiv) hergestellt und als Ergebnis eines Kampfes um Wahrheit und
Hegemonie. Vermeintlich naturgegebene Verhältnisse werden hinterfragt
und dekonstruiert.

Für den Tierbefreiungszusammenhang bedeutet dies, dass z.B.
Grenzziehungen in den Fokus genommen werden. Die Mensch-Tier Grenze ist
keine naturgegebene, sondern wird in machtvollen Grenzziehungspraxen
immer wieder neu hergestellt. Die Gewaltverhältnisse in denen
nichtmenschliche Tiere leben sind nicht nur materieller und
struktureller Art, sondern sie werden durch ‘epistemische Gewalt’ in
eine bestimmte gesellschaftliche Rolle Gezwungen und als dualistischer
Gegensatz zum Menschen konstruiert.

Der Vortrag wird grundlegende Begriffe und Konzepte des
Poststrukturalismus wie z.B. Macht, Diskurs, Herrschaft, Dualismus,
Dekonstruktion, etc. allgemeinverständlich erklären und es wird genug
Raum für eine Diskussion um die Relevanz poststrukturalistischer Ansätze
für die politische Praxis geben.

30.4. – Vegane Eltern (Achtung: findet an einem Samstag statt. Ab 16 Uhr Kuchen-Vokü, ab 17 Uhr Workshop)

Die Nachwuchsplanung (falls das Schicksal nicht für eine_n entscheidet), die Schwangerschaft und die Geburt eines Kindes stellen vor allem für die Eltern, sei es leiblich oder nicht, eine große Herausforderung dar.
Neben (Vor-)Freude, Glücksgefühlen etc. sind damit ebenso Ängste, Fragen und teilweise soziale Ausgrenzung verbunden.
Diese Probleme stellen sich für nahezu alle Eltern ein. Aufgrund der nicht-veganen Gesellschaftsverhältnisse, kann eine “vegane Sozialisation“ des Kindes die auftretenden Schwierigkeiten ggf. noch vergrößern.

Der Workshop richtet sich an alle Menschen, die vegane Eltern sind, werden wollen oder einfach nur neugierig sind, welchen Problemen sich diese Menschen ausgesetzt sehen. Es kann um Fragen der Ernährung gehen, um den Zoobesuch im Kindergarten, das Wochenende bei den nicht vegan lebenden Großeltern etc.
Gerade innerhalb der „Szene“ scheint eine Verbindung von Aktivismus und Elternschaft sich häufig auszuschließen. Um dies zu verändern, sind nicht nur die Eltern gefragt, auch die (noch) kinderlosen Aktivist_innen können zu einer erhöhten Vereinbarkeit von „Familie“ und Aktivismus beitragen.

Der Workshop wird nicht von einer Person allein geleitet werden. Wir wollen versuchen zusammenzutragen was uns beschäftigt, um dann in Kleingruppen oder auch im Plenum gemeinsam an diesen Themen zu arbeiten.
Fragestellungen, die wir an diesem Abend nicht bearbeiten können, wollen wir bei Interesse an weiteren Terminen angehen, so dass sich das Thema vielleicht dauerhaft etabliert und ein steter, reger Austausch stattfindet.

Wenn Du Interesse hast Deine Erfahrungen mit anderen interessierten Menschen zu teilen, dich einzubringen oder zuzuhören und vielleicht auch selber neue Anregungen, Hilfestellungen etc. zu erhalten, würden wir uns freuen dich am 30. April begrüßen zu dürfen. Falls du vor Ort eine Kinderbetreuung benötigst, würden wir uns freuen, wenn du dich vorher per E-Mail (info@veganer-fortschritt.de) mit uns in Kontakt setzt, damit wir die ungefähre Anzahl an Kindern und deren Alter abschätzen können.

Die Veranstaltung ist rauchfrei.

27.5. Zum Stand der historischen Human-Animal Studies: Kritik, Praxis und Ziele von Dr. Mieke Roscher

Tiere sind in unserer heutigen Medienlandschaft omnipräsent. Jüngst erst wurde der Tod des Eisbären Knut, seit 2006 ein Publikumsmagnet im Berliner Zoo und ein weltweiter Medienexportschlager, wieder an prominenter Stelle in Szene gesetzt. Auch ausländische Medien berichteten live. Andere tierische Protagonisten, die zu ihrer Zeit ähnliche Aufmerksamkeit auf sich zogen, waren beispielsweise die Hündin Leika, die von der sowjetischen Raumfahrtbehörde in den Orbit geschossen wurde und Dolly, das Klonschaf. Aber erinnern wir uns noch an den zahmen Bär Winnie, der immerhin einer populären Kindergeschichte seinen Namen lieh, an Fala, Franklin D. Roosevelts Terrierhündin, die zeitweise repräsentative Aufgaben des Präsidenten übernahm, oder an Judy, die einzige tierische Kriegsgefangene mit militärischem Rang während des Zweiten Weltkrieges?
Tiere scheinen offenkundig bestimmte mediale Funktionen zu übernehmen, zu ihrer Historisierung reicht es jedoch häufig nicht. Grund für diese Lücke ist, unter anderem, die historische Methode, die das Quellenstudium als einzig legitime Herangehensweise an die Vergangenheit kennt und den Tieren wegen deren Mangels an adäquater Quellenproduktion den Weg in die Geschichtsbücher verwehrt. Ob nun aus ideologischer Befangenheit oder Methodenkritik: die (deutsche) Geschichtswissenschaft scheint noch nicht dazu bereit, Tiere als historische Akteure anzuerkennen.
Dieser Vortrag möchte deshalb zum einen über den Stand der Tierhistoriografie in den Geschichtswissenschaft berichten, zum anderen die aktuelle Diskussion innerhalb der (angloamerikanisch geprägten) „Human-Animal Studies“ über theoretische und methodische Fundierungen einer Tiergeschichte darlegen. Insbesondere soll der Frage nach den möglichen Quellen nachgegangen werden. Schließlich soll der Nutzen der Human Animal Studies im Allgemeinen und der Tiergeschichte im Besondern im Hinblick auf das „Projekt Tierbefreiung“ andiskutiert werden.

Dr. Mieke Roscher ist Anglistin und Sozialhistorikerin mit dem Schwerpunkt der Britischen Geschichte des 19. und 20.Jahrhunderts. Nach einen Studium der Politikwissenschaften, Erziehungswissenschaften und der Anglistik an den Universitäten von Bremen, Middlesex und der London School of Political Sciences (LSE) hat sie in einer komparativen Studie über die Geschichte und Politik der britischen Tierrechtsbewegung promoviert. Sie ist Vertreterin der historischen Human-Animal Studies und ihr besonderes Interesse gilt hier den geschlechterspezifischen und kolonialpolitischen Aspekten des Tierschutzes sowie den Möglichkeiten und Grenzen der Tierhistoriografie. Sie lebt in Bremen, wo sie unter anderem über die Kulturgeschichte der Tiere an der dortigen Universität lehrt. Zurzeit arbeitet sie an einem Forschungsprojekt zur imperialen Bedeutung von Tierschutz in Britisch-Indien. Hierzu arbeitete sie mit einem PostDoc Stipendium am Deutschen Historischen Institut London.

Relevante Veröffentlichungen:
„What will they be doing next – educating cows?“ Überlegungen zur Nutzung der Frau-Tier-Natur Gleichsetzung, in: Witt-Stahl, Susan (Hrsg.): Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen: Beiträge zu einer kritischen Theorie für die Befreiung der Tiere, 2007.

Urban Creatures – Die britische Tierrechtsbewegung als urbanes Phänomen, in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte, Heft 2/09, 2009.

Forschungsbericht Human-Animal-Studies, in: Informationen zur modernen Stadtgeschichte, Heft 2/09, 2009.

Ein Königreich für Tiere: Die Geschichte der britischen Tierrechtsbewegung, Marburg, 2009.

Engagement und Emanzipation: Frauen in der Englischen Tierschutzbewegung, in: Brantz, Dorothee und Mauch, Christof (Hrsg.): Tierische Geschichte: Die Beziehung von Mensch und Tier in der Kultur der Moderne, 2010.
Louise Lind-af-Hageby, die kosmopolitische Tierrechtlerin. Zwischen internationalistischem Pazifismus und konstruktiven Tierschutz, in: tier-im-fokus.ch, 2010

(mit Anna-Katharina Wöbse), Zootiere während des Zweiten Weltkrieges: London und Berlin 1939-1945, in : WerkstattGeschichte, Nr..56, 2011.

29.7 – „Hilfe und Gewalt geben ein Ganzes / Und das Ganze muß verändert werden.“ Über Tierrettungen in einer speziesistischen Gesellschaft: Vorstellung des Antitierbenutzungshofs von Günther Rogausch

In unserer speziesistischen Gesellschaft sind nichtmenschliche Tiere vor allem eins: Opfer. Sie werden gezüchtet, benutzt, ausgebeutet und umgebracht. Ihre reproduktiven Fähigkeiten werden instrumentalisiert, bewertet und ausgebeutet (für Milch, Eier und nicht zuletzt die nächsten Generationen von Opfern). Es mag paradox erscheinen, dass in einer solchen Gesellschaft nicht allein die Rettung von nichtmenschlichen Tieren aus Lebensumständen, die im speziesistischen Diskurs als tierquälerisch benannt werden, nicht allein die Rettung von sogenannten Heimtieren, wie z.B. Hunden und Katzen, aus lebensbedrohlichen Situationen, sondern auch von nichtmenschlichen Individuen, für die der gewaltsame Tod im Schlachthof vorgesehen war, sich durchaus – d.h. auch außerhalb von veganen Kreisen – einer Beliebtheit erfreut und Unterstützung erfährt. Eine Beliebtheit, die sich z.B. in der Begeisterung für Gut Aiderbichl, einem Prunkprojekt der Tierliebe und Tierrettung, zeigt, und die im Kontext der gesellschaftlichen Bedeutung von Tierliebe und Tierschutz in dieser speziesistischen Gesellschaft zu begreifen ist.
Auf dem im Bayerischen Wald gelegenen Antitierbenutzungshof werden gegenwärtig 42 nichtmenschliche Individuen gehalten, versorgt und nicht (mehr) ausgebeutet. Dieser Hof unterscheidet sich nicht bloß in seiner Namensgebung von z.B. Gnadenhöfen und Tierheimen – und auch ähnlich verstandenen Projekten? –, sondern gerade von seiner Konzeption und Programmatik her. In dem Vortrag wird auf diesen konzeptionellen und programmatischen Hintergrund, auf die antispeziesistische Ausrichtung des Antitierbenutzungshofes eingegangen werden. In diesem Zusammenhang werden Fragen wie die folgenden erörtert werden:

  • Sind die Unterschiede zu Tierheimen, zu Gnadenhöfen, zu Tieraltersheimen, … überhaupt relevant: für die aufgenommenen Tiere, für die Symbolik nach außen und nicht zuletzt für das Ziel der gesellschaftlichen Tierbefreiung?
  • Sollte es nicht letztendlich vollkommen egal sein, welche Inhalte ein Hof vertritt, wenn nur Tiere gerettet werden, vor der Schlachtung bewahrt werden?
  • Wie ist das Verhältnis der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung zu Höfen, auf denen sich um gerettete/befreite Tiere gekümmert wird, wie wird sich gegenüber dem Konzept Tierrettung positioniert?
  • Welche Bedeutung und welche Auswirkung kann die Rettung und Aufnahme nichtmenschlicher Tiere für gesellschaftliche Tierbefreiung haben?

Der Titel des Vortrags „Hilfe und Gewalt geben ein Ganzes / Und das Ganze muß verändert werden.“ ist Bertold Brechts ‚Badener Lehrstück vom Einverständnis’ entnommen worden.

30.9 Workshop: “Fleisch und Sex! – Zum Verhältnis von Feminismus und Antispeziesismus”

“Fleisch ist ein Stück Manneskraft”: Burger King bewirbt in seinem “Mancadamy” Spot seine Burger mit einem Versprechen von erhöhter Maskulinität. Die Zielgruppe für Salat scheinen dagegen “diätbewusste” Frauen zu sein. Wie steht es um das Mensch-Tier-Verhältnis im Patriachat? “Männer essen doppelt soviel Fleisch, Wurstwaren und Fleischerzeugnisse wie Frauen.”, heißt es in der “Nationalen Verzehrstudiestudie II”. Welche Rolle spielen hierbei gesellschaftlich tradierte Vorstellungen von Gender?
Wir wollen gemeinsam mit euch Konzepte aus der Genderforschung und der kritischen Theorie untersuchen, welche Speziesismus und Sexismus in einen Zusammenhang stellen. Mediale Beispiele wie die oben genannten werden wir dann zusammen entschlüsseln und kritisieren.

25.11. Vortrag: “Die Mensch-Tier-Beziehung in der Kritischen Theorie Theodor W. Adornos und Max Horkheimers” von Marcel Sebastian (Group for Society and Animals Studies, Hamburg)

Die Kritische Theorie der Frankfurter Schule zählt zu den bedeutendsten
soziologischen und philosophischen Theorien des 20. Jahrhunderts und hat
nach wie vor maßgeblichen Einfluss auf kritische Gesellschaftstheorien.
Innerhalb ihrer Rezeptionsgeschichte jedoch gab es Themenbereiche und
Aspekte, die lange Zeit verschüttet schienen und (wieder) sichtbar
gemacht werden mussten. Hierzu zählt unter anderem die
Mensch-Tier-Beziehung, welche auf den ersten Blick eine untergeordnete
Rolle innerhalb der Kritischen Theorie zu spielen scheint. Doch diese
‘Unsichtbarkeit’ der Tiere wird nicht zuletzt durch die ‘Sehschwäche’
der RezipientInnen erst erzeugt. Denn bei genauerem Hinsehen kreuchen,
fleuchen, wimmeln und verstecken sich die Tiere in der Kritischen
Theorie — hier allen voran in den Schriften Theodor W. Adornos und Max
Horkheimers. Deren Denken eröffnet eine kritisch-theoretische
Betrachtung der menschlichen Zivilisationsgeschichte auch im Hinblick
auf das in ihr zugrunde liegende Verhältnis der Menschen zu ihrer
inneren und äußeren Natur und somit auch zu den Tieren. Diese treten bei
ihnen unter anderem als ‘unversöhnte Naturanteile’ im Menschen, Opfer
gesellschaftlich vermittelter Gewalt, als utopische Motive oder als
Legitimationsfolie für Gewalt von Menschen an Menschen auf.

Der Vortrag will einführend erörtern, wie das Mensch-Tier-Verhältnis
durch die Kritische Theorie interpretiert und kritisiert wird. Anhand
zentraler Analysekategorien soll aufgezeigt werden, dass Tiere im Denken
Adornos und Horkheimers auch als Opfer gesellschaftlich organisierter
Herrschaft auftreten, deren Befreiung nicht losgelöst von der Befreiung
der Menschen gedacht werden kann – et vice versa.