Offene Fragen

Das wüssten wir auch gerne.
Wende dich für die Beantwortung dieser Frage bitte an:
Dr. med. vet. Martin Sager
Institusleiter
martin.sager@med.uni-duesseldorf.de
Tel. 0211 – 81 144 00/60
Niemand weiß, wie viele sinnvolle Medikamente nie auf den Markt gelangen, weil sie aufgrund von irreführenden Tierversuchen vorzeitig aussortiert werden. Viele heute segensreiche Arzneien wie Aspirin, Ibuprofen, Insulin, Penicillin oder Phenobarbital wären uns vorenthalten geblieben, hätte man sich schon in früheren Zeiten auf den Tierversuch verlassen. Diese Stoffe rufen nämlich bei bestimmten Tierarten zum Teil aufgrund unterschiedlicher Stoffwechselvorgänge gravierende Schädigungen hervor. Sie wären bei der heutigen Vorgehensweise der Wirkstofffindung durchgefallen.
Dieser Eindruck kann entstehen, wenn man sich den vierten Tierversuch* aus einer Serie von fünfen ansieht, alle mit dem Ziel, die Einheilung von zwei Zahnimplantaten mit leicht unterschiedlicher Oberflächenbeschaffenheit zu untersuchen: Oberfläche entweder konventionell grob-sandgestrahlt und mit Säure geätzt (SLA®-Implantat) oder zusätzlich chemisch modifiziert (SLActive®-Implantat) – also SLA® vs. SLActive®. Der Hersteller, die Schweizer Straumann AG, hatte für 2007 angekündigt, ihr neues (teureres) SLActive®-Implantat zum Bestseller zu machen, und prompt erschienen 2007 fünf tierexperimentelle Hunde-Studien aus Düsseldorf, die allesamt dem neuen SLActive® eine Überlegenheit in puncto verbesserte Knocheneinheilung und Gewebeintegration gegenüber SLA® bescheinigten. Der Autor dieser fünf Hunde-Studien, Dr. Frank Schwarz von der Westdeutschen Kieferklinik, Uniklinik Düsseldorf, erhielt für seine Arbeit* den Andrè-Schroeder-Forschungspreis 2007, der seit 1992 jährlich von der Straumann AG verliehen wird, dotiert mit einem Preisgeld von CHF 20.000 und einer Goldmedaille. Das Institut Straumann hatte den Tierversuch* auch subventioniert.
Quelle: * Schwarz, Ferrari, Herten, Mihatovic, Wieland, Sager, Becker, Effects of surface hydrophilicity and microtopography on early stages of soft and hard tissue integration at non-submerged titanium implants: an immunohistochemical study in dogs, J Periodontol Nov 2007; 78: 2171-84
Diese Frage könnte Dr. Martin Sager, Leiter der Tierversuchsanlage, am besten selber beantworten (martin.sager@med.uni-duesseldorf.de | Tel. 0211 – 81 144 00/60), denn er war an einem Tierversuch beteiligt*, der mit sechs enthaupteten Foxhounds endete. In dem Tierversuch ging es um den Vergleich verschiedener Biomaterialien für den Knochenaufbau des Unterkieferknochens: 1. Rinderknochen, 2. Rinderknochen mit einer Kollagenmembran und 3. eigene Knochenstücke des Hundes. Nach mehreren Monaten teils äußerst schmerzhafter Prozeduren wurden die Foxhounds durch Injektion einer Überdosis eines Barbiturates getötet. Anschließend wurden die Tiere geköpft und durch die Halsarterie eine Formalinlösung zur Fixierung des Kiefergewebes injiziert, die Kiefer herausgetrennt, in dünne Scheiben geschnitten und untersucht. Die Hunde wurden vermutlich geköpft, weil der Kopf allein leichter zu bearbeiten ist, wenn es ums Herausschneiden der Gewebeproben geht.Dieser Tierversuch wird auf www.datenbank-tierversuche.de beschrieben.
Quelle: *Rothamel, Schwarz, Herten, Ferrari, Mischkowski, Sager, Becker, Vertical ridge augmentation using xenogenous bone blocks: A histomorphometric study in dogs, Int J Oral Maxillofac Implants 2009, 24: 243 -50
Da die meisten menschlichen Krankheiten bei Tieren nicht vorkommen, werden die Symptome auf künstliche Weise in sogenannten »Tiermodellen« nachgeahmt. Um zum Beispiel Parkinson auszulösen, wird bei Affen, Ratten oder Mäusen ein Nervengift in das Gehirn injiziert, das Hirnzellen zerstört. Die künstlich hervorgerufenen Symptome haben jedoch nichts mit den menschlichen Krankheiten, die sie simulieren sollen, gemein. Wichtige Aspekte der Krankheitsentstehung wie Ernährung, Lebensgewohnheiten, Verwendung von Suchtmitteln, schädliche Umwelteinflüsse, Stress, psychische und soziale Faktoren werden dabei außer acht gelassen. Ergebnisse aus Studien mit Tieren sind daher irreführend und irrelevant.
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Dr. med. vet. Martin Sager
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ohne Worte
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Wer glaubt, Tierversuche würden durchgeführt, um neue Therapien für kranke Menschen zu entwickeln, irrt gewaltig. Viele tierexperimentelle Projekte besonders im Bereich der Grundlagenforschung haben nicht einmal vorgeblich einen Nutzen für die Medizin.
Hier nur ein Beispiel:
Am Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven wurden 22 auf einer deutschen Nordseeinsel gefangene Silbermöwen sechs Tage lang nicht gefüttert. Ziel war es, herauszufinden, wie lange Möwen hungern können.
Quelle: U.Trotzke et al.: The influence of fasting on blood and plasma composition of herring gulls (Larus argentatus). Physiological and Biochemical Zoology 1999: 72(4), 426-437
Die Technik macht einen Quantensprung, aber in der medizinischen Forschung und bei der Risikobewertung verlässt man sich noch auf Methoden aus dem vorletzten Jahrhundert. Tierversuche erwiesen sich immer wieder als äußerst unzuverlässig, gerade auch im Bereich der Toxikologie. Unzählige Beispiele beweisen dies. Ratten bekommen zwar vom für den Menschen harmlosen Süßstoff Saccharin Krebs, vertragen aber Asbest in 300mal höheren Dosen als der Mensch, bevor auch bei ihnen Krebs entsteht.(7) Cortison verursacht bei Mäusen Missbildungen, bei Menschen nicht, bei Contergan ist es umgekehrt. In einer Vergleichsstudie wurde der Ätzungstests am Kaninchenauge (Draize-Test) von 20 Stoffen in 24 Laboratorien überprüft. Jeder dieser Stoffe wurde dabei in den verschiedenen Labors von ‘nicht reizend’ bis ‘stark reizend’ eingestuft.(8) Mit anderen Worten, beim Tierversuch kommt mal dies, mal jenes heraus. Die Sicherheit der Verbraucher kann mit einem solchen russischen Roulette auf jeden Fall nicht garantiert werden.Quellen:
(7) Rodelsperger, K & Woitowitz, H-J (1995). Airborne fibre concentration and lung burden compared to the tumour response in rats and humans exposed to asbestos. Ann. Occup. Hyg. 39:715-725
(8) H. Spielmann: Alternativen in der Toxikologie, in: H.P. Gruber/H. Spielmann (Hrsg.): Alternativen zu Tierexperimenten, Spektrum Verlag, 1996, 108-126
Viele Menschen sind bereit, für die Operation ihres kranken Hundes viel Geld auszugeben, während sie beim Einkauf auf die billigsten Batterieeier zurückgreifen und damit unendliches Tierleid unterstützen. Diese Doppelmoral ist der Kernpunkt der ethischen Diskussion im Bereich der Tiermedizin. Wir haben kein Problem damit, ein Tier zum vermeintlichen Wohl eines anderen leiden und sterben zu lassen. Doch wer gibt uns eigentlich das Recht, die Tierwelt nach unserem Gutdünken einzuteilen in Schädlinge, die ohne Wenn und Aber vernichtet werden müssen, Wildtiere, die abgeschossen oder in Käfigen gehalten werden dürfen, außer wenn sie vielleicht einer geschützten Art angehören, Nutztiere, die gequält und gegessen oder in Versuchen missbraucht werden dürfen und Haustiere, denen gern Tiere der anderen Kategorien geopfert werden dürfen? Die Antwort ist, wir haben das Recht nicht, wir nehmen es uns einfach. Der Mensch ordnet die Dinge so, wie sie ihm am praktischsten und einträglichsten erscheinen. Doch ist ein Versuchshund wirklich weniger wert als der eigene Hund? Haben nicht beide ein Recht auf Leben, auf ein Leben in Unversehrtheit? Wir maßen uns an, darüber zu entscheiden, welches Tier zum vorgeblichen Wohl eines anderen getötet werden darf. Dieses Vorgehen ist nicht nur egoistisch, sondern vor allem auch zutiefst unethisch.
Jahrzehntelang wurde die Gefährlichkeit von Asbest verleugnet, weil Ratten den Stoff 300mal besser vertragen als der Mensch.(7) Seine krebserregende Wirkung wurde erst durch Untersuchungen von Asbestarbeitern erkannt. Arzneimittel, die im Tierversuch als sicher beurteilt wurden, führen bei Menschen immer wieder zu unerwarteten Nebenwirkungen. Erinnert sei nur an Contergan, Lipobay, Vioxx und die Alzheimerimpfung, die schwere Organschäden oder Todesfälle verursachten. Die Hälfte aller Rückrufe von Arzneimitteln erfolgen innerhalb zwei Jahren nach Zulassung des Medikamentes, die Hälfte der besonderen Warnhinweise ergibt sich erst nach weiteren fünf Jahren(8) – lange nach Beendigung der Tierversuche. Hochrechnungen zeigen, dass 210.000 Krankenhauseinweisungen und 58.000 Todesfälle jährlich allein in Deutschland auf das Konto von Arzneimittelnebenwirkungen gehen.(2)Quellen:
(7) Ann. Occup. Hyg. 1995: 39, 715-725
(8) JAMA 2002: 287, 2215-20
(2) J.U. Schnurrer, J.C. Frölich: Zur Häufigkeit und Vermeidbarkeit von tödlichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen. Der Internist 2003; 44, 889-895
Bei der so genannten Validierung werden die Ergebnisse einer neue Methode mit denen von bekannten Tierversuchen verglichen, bevor sie Eingang in die Gesetze finden kann. Das heißt, eine tierversuchsfreie Methode wird nur dann behördlich anerkannt, wenn ihre Ergebnisse mit denen des entsprechenden Tierversuchs übereinstimmen. Das Problem dabei ist, dass der Tierversuch selbst nie validiert wurde. Er wurde und wird von den Wissenschaftlern einfach akzeptiert, obwohl die Ergebnisse aus Tierversuchen ungenau, nicht verlässlich reproduzierbar und nicht auf die Situation beim Menschen übertragbar sind. Die Qualität neuer, sinnvoller Testsysteme wird also an einer schlechten, veralteten Methode gemessen. Wirklich aussagekräftige In-vitro-Systeme haben so kaum eine Chance jemals behördlich anerkannt zu werden. Die Validierung am Tierversuch ist unsinnig, zu fordern wäre ein Vergleich der neuen Methode mit bekannten Daten aus der Humanmedizin.

