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Abstracts

14. Mai | 18 Uhr
Workshop: “Da ist Fisch in meinen Chips!” – Veganismus im Alltag für Einsteiger_innen und Interessierte

Referent_innen:
Initiative “Veganer Fortschritt”

Kurzbeschreibung:
Der Workshop soll euch den Einstieg in eure neue oder angedachte Lebenssituation erleichtern. Dazu werden wir uns gemeinsam mit folgenden Themen beschäftigen:

- Vegan leben, wieso eigentlich?
- Wie kann ich mit Reaktionen bei Familie, Freunden und auf der Arbeit umgehen?
- Wo “verstecken” sich tierliche Inhaltsstoffe?
- Welche “Veganen Alternativen” gibt es für Kochen, Backen etc.?
- Wie kann ich feststellen, welche Produkte vegan sind?
- Wo kann ich in Düsseldorf und Umgebung vegan essen?
- Literaturtipps
- Kostenfreie Rezepte

Außerdem werden wir an euch die ersten Exemplare des “Vegan Guide Düsseldorf” ausgeben.

18. Juni | 18 Uhr
Unity Of Oppression und Intersektionalität:
Verbindungen von Speziesismus, Rassismus, Sexismus und Kapitalismus

Referent:
Andre Gamerschlag (Dipl. Sozialwissenschaftler und Frauen-/Geschlechterforscher)

Kurzbeschreibung:
In den frühen 1990ern hielten in der radikalen Linken Überlegungen über die Mehrfachunterdrückung (durch Sexismus, Rassismus und Kapitalismus) Einzug, die Mitte der 1990er durch die Tierrechtsbewegung um die Kategorie “Spezies” bzw. “Nicht-Mensch” im Unity of Oppression Konzept erweitert wurden. Während dieser Ansatz in den letzten 10 Jahren an Gewicht verloren hat, boomt inzwischen eine ähnlich gelagerte Diskussion in wissenschaftlichen Kreisen, die Parallelen zur Unity of Oppression These der Tierrechtsbewegung aufweist, die Intersektionalität. In dieser Veranstaltung soll der Werdegang von Triple Oppression zur Unity of Oppression nachgezeichnet und das Modell der Intersektionalität dargestellt und in Hinblick auf seine Relevanz für die Analyse der Mensch-Tier Beziehungen ausgeleuchtet werden.

Der Referent:
Andre Gamerschlag ist Sozialwissenschaftler mit Zusatzqualifikation für und Hauptausrichtung auf transdisziplinäre Gender Studies und arbeitet derzeit am Institut für Soziologie der Leibniz Universität Hannover sowie als freiberuflicher Mitarbeiter im Consulting für qualitative Sozialforschung.
Er ist seit 2004 Aktivist in der Tierrechtsbewegung und befasst sich seither mit Human-Animal Studies. Zwischen 2006 und 2010 studierte er Intersektionalität bei Prof. Dr. Gudrun-Axeli Knapp. Darüber hinaus befasst er sich mit Methoden der qualitativen Sozialforschung sowie mit Gesellschaftstheorie, Ungleichheitsforschung, Diversity Studies, Sexualforschung (inkl. Kritischer und queerer Pornografieforschung) und Suchtforschung.

Literatur:
Gamerschlag (2009): Einheit der Unterdrückung und (Über-)Kreuzungen.
Theoriegeschichtliche Aspekte des Unity of Oppression-Ansatzes und forschungsprogrammatische Überlegungen der aktuellen Diskussion um Intersektionalität. In: Tierbefreiung. Das aktuelle Tierrechtsmagazin, H.65. S.50-52.

Gamerschlag (2010): Unity Of Oppression, Intersektionalität und Tiere.
Gemeinsamkeiten von Speziesismus und zwischenmenschlichen Herrschaftsverhältnissen. In: Tierbefreiung. Das aktuelle Tierrechtsmagazin, H.66. S.54-56.

16. Juli | 18 Uhr
Im dunklen Keller des Wolkenkratzers…
Beitrag zu einer kritischen Theorie für die Befreiung der Tiere

Referentin:
Susann Witt-Stahl

Kurzbeschreibung:
Die In-Wert-Nahme von empfindungsfähigen Individuen, der Konsum ihrer Körperteile und -substanzen werden nicht als Unterdrückung und Ausbeutung begriffen, obwohl Herrschaft nicht totaler, direkter und gewalttätiger ausgeübt werden kann als durch den Prozess vollständiger Entindividualisierung und Verdinglichung, Zerstückelung und schließlicher Einverleibung der Objekte.
Warum ist der Ruf „carnis et circenses!“ in der hochtechnisierten Moderne immer noch nicht verhallt – warum bleiben Blutdurst und Lust an Grausamkeit ein Prinzip der „zivilisierten“ Gesellschaft, das nicht als barbarisches erkannt wird? Die Kritischen Theoretiker der Frankfurter Schule haben die perennierende Gewaltherrschaft des Menschen über die Tiere als „allersinnfälligsten und fasslichsten Ausdruck“ blinder naturverfallener Beherrschung der inneren und äußeren Natur analysiert und kritisiert – als historisch gewordenes Unrechtsverhältnis, dem nicht bloß Tiere, sondern auch Menschen zum Opfer fallen. So ist es kein Zufall, dass einer der Begründer der Kritischen Theorie Max Horkheimer den Schlachthof, die „Tierhölle“, in der empfindungsfähige Individuen „unbeschreibliche, unerdenkliche Leiden“ erfahren, in seinem Aphorismus Der Wolkenkratzer im Keller des kapitalistischen Gesellschaftsbaus verortet und die Tiere in den Kreis der Befreiungsobjekte aufgenommen hatte.
Alles historisch Gewordene ist auch historisch überwindbar. Eine freie Gesellschaft, in der Schlachthöfe und Vivisektionslaboratorien fortexistieren, wäre keine, so die These des Vortrags, weil sie den circulus vitiosus der naturverfallenen Naturbeherrschung nicht durchbrochen hätte. Sie wäre ein dirty joke über jede Idee von Freiheit, nicht mehr als eine neue Variante der Verwirklichung von einem Stück schwarzer Utopie der totalen Naturunterjochung und radikaler Entfesselung der Marktkräfte – das Ende aller Hoffnung auf eine wahrhaft humane Gesellschaft. Die Befreiung des Menschen ist ohne die Befreiung der Tiere nicht zu denken und nicht zu haben – so wie die Befreiung der Tiere nicht ohne die Befreiung des Menschen zu denken und zu haben ist.

Die Referentin:
Susann Witt-Stahl ist Gründungsmitglied der Tierrechts-Aktion-Nord (TAN) und seit 25 Jahren in der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung aktiv. Sie lebt und arbeitet als freie Journalistin und Autorin in Hamburg. 2007 hat sie den Band „Das steinerne Herz der Unendlichkeit erweichen. Beiträge zu einer kritischen Theorie für die Befreiung der Tiere“ herausgegeben.

17. September | 18 Uhr
Solidarität statt Wohltat(en)!
Über die Notwendigkeit eines abolitionistischen Ansatzes für Tierbefreiung

Referent:
Günther Rogausch

Kurzbeschreibung:
„Until every Cage is empty!“ heißt es in einem Slogan der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung. Doch wie kann eine Gesellschaft ohne Käfige – und ohne käfiglose Haltungsformen! – erreicht werden?
Größere Käfige, „artgerechte(re)“ Tierhaltung, humane(re) Tötungsarten: dies sind einige der Bestrebungen des Tierschutzes. TierschützerInnen geht es nicht darum, Tierausbeutung abzuschaffen – nicht um Abolition –, sondern darum, diese anders (humaner) zu gestalten. Dementgegen hat die sog. Tierrechtsbewegung ein abolitionistisches Ziel proklamiert. Doch innerhalb der Bewegung ist die Ansicht, dass Tierschutzreformen hinsichtlich des Ziels, Tierausbeutung und -mord abzuschaffen, hilfreich oder auch – angesichts des Tierleids – geboten sind, (nach wie vor) weit verbreitet.
Die Agenda größerer Organisationen, die sich der Tierrechtsbewegung zuordnen, ist – auch wenn begleitend Veggie-Broschüren angeboten werden und für einen veganen Lifestyle geworben wird – der von traditionellen Tierschutzorganisationen angeglichen. Aber es sind nicht allein diese Gruppen, die das Anliegen des Tierschutzes auch als ein eigenes Anliegen begreifen. So wird mensch zum Beispiel von VeganerInnen aufgefordert, vom Staat Tierschutzverordnungen bzw. deren Umsetzung zu verlangen, diese oder jene Tierschutzpetition zu unterschreiben und es wird bemängelt, dass Tierausbeutungsbetriebe – deren Praxis als tierquälerisch aufgedeckt wurde – kein „fachlich qualifiziertes“ Personal einsetzen. Manche VeganerInnen appellieren an KonsumentInnen, nicht etwa die Gewalt gegen Tiere zu unterlassen, sondern „tierbewusster“ zu konsumieren, z.B. indem keine Eier aus Käfighaltung gekauft werden oder Bio-Milch getrunken wird. Was ist – gerade aus einer antispeziesistischen Perspektive – von einem solchen Vorgehen zu halten? Was ist von den „Erfolgen“ zu halten, die von großen Organisationen reklamiert werden? Ist es ein bloßer Zufall, dass gerade Leute mit einem tierschützerisch-reformistischen Ansatz – trotz anderer Lippenbekenntnisse – das Engagement für Tierbefreiung oft nicht als ein (weiteres) emanzipatorisches Anliegen begreifen, sondern Speziesismus quasi als ein isoliertes Phänomen betrachten, welches in einem gesellschaftlichen Vakuum schwebt: Die jedeN in der Bewegung willkommen heißen, der/die sich irgendwie um die Tiere kümmert, z.B. Sexismus als „Kampagnenmittel“ akzeptabel finden, … .
Nun ist es aber nicht so, dass die gesamte Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung sich für das Nahziel größerer Käfige und humaner(er) Tötung einsetzt. Vielmehr wird sich z.B. in Kampagnen für die Abschaffung des „Pelzhandels“ eingesetzt, die Schließung von Tierversuchslaboren gefordert, sich gegen den Milchkonsum engagiert, Tiere werden aus Ausbeutungsstätten befreit und an Infoständen werden vegane Kostproben verteilt. Es wird betont, dass sich nicht für größere Käfige eingesetzt wird, und vom Tierschutz wird sich – zumindest oberflächlich – abgegrenzt. Doch, wie in dem Vortrag erörtert werden soll, auch diese Bemühungen – die (durchaus selbst-)kritisch betrachtet werden sollen – wirken nicht zwangsläufig in einem antispeziesistischen und abolitionistischen Sinne. Gerade auch von (bzw. in) sogenannten herrschaftskritischen Antispe-Kreisen wird der Veganismus marginalisiert und die tierschützerische Vorstellung des Tierretters aufgegriffen.
Wie könnte eine solidarische Praxis aussehen bzw. was würde sie kennzeichnen?

15. Oktober | 18 Uhr
Workshop: “Go vegan or go to hell”?!?
– Eine Kritik veganer Identitätspolitiken

Referent_innen:
Berliner Tierbefreiungsaktion

Kurzbeschreibung:

Go vegan or go to hell?!? – Kritik(en) an veganer/n Identitätspolitik(en)

Heutzutage in der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung aktiv zu sein, ohne gleichzeitig vegan zu „sein“, ist für viele fast schon undenkbar geworden. Mögen die Aktivist_innen sonst auch an vielen Stellen unterschiedlicher Meinung sein, der Nichtkonsum bestimmter Produkte als Kritik am herrschenden Mensch-Tier-Verhältnis eint sie – und grenzt sie von allen Anderen ab.

Das „Vegan-Sein“ übt für viele Menschen auch deshalb eine starke Anziehungskraft aus, weil es als eine „ethische“, „gute“ und „richtige“ Konsumweise erscheint. Diese Begründung von Veganismus wirft aber einige Fragen auf: Aus komplexen Herrschaftsstrukturen und kaum überschaubaren Produktionsprozessen kann auch dann nicht einfach ausgestiegen werden, wenn die Welt und das Supermarktsortiment in vegan und nicht-vegan geteilt werden. Denn keineswegs ist in dieser kollektiv gelebten „veganen Verhaltensvorschrift“ automatisch eine komplette Aufgabe der eigenen Beteiligung an tierausbeutenden Prozessen angelegt. Auch weiterführende Fragen nach der Produktion (z.B. Arbeitsbedingungen, ökologische Aspekte) sind erst einmal nachrangig. Welche Probleme, Abgrenzungs- und Ausschlussmechanismen mit einer veganen Identität verbunden sind – aber auch welches Potenzial im Veganismus steckt und wie viel er wirklich mit der Befreiung der Tiere (und der Menschen) zu tun hat, wird im Workshop zu diskutieren sein.

Neben der veganen Identität gibt es viele andere Identitäten, die dafür sorgen, dass Menschen zur Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung gehören – oder eben nicht. Da insbesondere sich als Tierbefreier_innen und/oder Antispeziesist_innen verstehende Menschen oftmals gleichzeitig in autonomen Bewegungen verortet sind, teilen sie auch eine Vielzahl an Symboliken, Handlungen und Vorstellungen dieses Spektrums. So wird sich ein zweiter Schwerpunkt des Workshops mit Merkmalen autonomer Identität und den Schnittmengen mit der Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung beschäftigen.

In einem einleitenden Referat werden anhand anschaulicher Beispiele Mechanismen und Problematiken veganer und autonomer Identitäten herausgearbeitet und (solidarisch) kritisiert. Raum zur Diskussion soll eine anschließende Kleingruppenphase geben. Den Abschluss bildet das Zusammentragen der Ergebnisse und eine Auswertung. Ziel soll die Sensibilisierung für eigene ausschließende Szeneidentitäten und die Erörterung eines möglichen konstruktiven Umgangs mit Identitäten sein. Vorwissen wird dabei nicht vorausgesetzt.

(Aktivist_in der BerTA)

12. November | 19 Uhr
Zügellos.
Überlegungen zu Naturbeherrschung, Mensch-Tier-Verhältnissen und Freiheit in Erinnerung an die Kritische Theorie.

Referentin:
Melanie Bujok (Dipl. Sozialwissenschaftlerin)

Kurzbeschreibung:

Fest im Sattel sitzend, die Zügel angezogen, das Tier an die Kandare genommen und ihm die Sporen gegeben trieben Menschen Tiere durch die Geschichte ihrer Eroberungszüge. Nicht nur die Metaphorik dieser Machttechniken verrät, dass diese nicht nur den Körper von Tieren, hier Pferden, unterwarfen, kontrollierten und zur Produktivität zwangen, sondern dass diese Disziplinierung – wenngleich mit anderen Instrumenten – auch den Körper der Menschen formte. Die Kritischen Theoretiker der Frankfurter Schule Adorno, Horkheimer und Marcuse haben diesen Doppelcharakter der Naturbeherrschung in ihren Arbeiten hervorgehoben: Die Beherrschung der äußeren Natur, so beispielsweise Tiere, sei mit der Beherrschung der inneren Natur des Menschen eng verbunden. Dieses Band wurde im Zivilisationsprozess unter den repressiven Bedingungen des aufkommenden Kapitalismus und seinen Rationalisierungserfordernissen stärker und dicker. Der undisziplinierte und damit unproduktive Körper, der sich den sozialen Normen Effizienz und Effektivität widersetzte, galt als Hemmnis des Fortschritts. Ökonomisch unnütz zu sein bedeutet(e) für das menschliche Individuum zumeist den sozialen Ausschluss; für das tierliche gar seine sofortige Vernichtung. Kaum ein tierliches Subjekt kann heute dem Verwertungsinteresse der totalen Ökonomie entkommen. Die wenigen, die abseits der Zwangsinstitutionen der menschlichen Gesellschaft leben, trifft die ganze Verachtung des Menschen, dem von der ökonomischen Maschine beständig Nützlichkeit abverlangt wird. Alles, was an Tiere erinnerte, wurde schließlich in den gesellschaftlichen Diskursen herabgesetzt und sanktioniert, manchmal auch im Sinne eines falsch verstandenen Freiheitsbildes der Tiere romantisch verklärt. „Zügellosigkeit“, „wie ein wildes Tier“… – die Sinnbilder, die hiermit gezeichnet werden, portraitieren selten das wirkliche Leben tierlicher Subjekte, als sie vielmehr ein Schnappschuss menschlicher Phantasien sind, der bis in die Gegenwart von der wirkungsmächtigen Dichotomie zwischen Geist/Körper, Vernunft/Triebimpuls, Mensch/Tier ausgelöst wurde und wird. Die Entstehung von Scham und Peinlichkeitsgrenzen sowie die zunehmende Affekt- und Triebbeherrschung ist, so wird darzulegen versucht werden, nur mit Blick auf die zivilisatorisch eingeforderte Distanzierung vom „Animalischen“ und in Folge Enttierlichung des menschlichen Körpers zu erklären.